Das Blog von Benni und Jonas
  • LoG: Netzwerk

    Geschrieben am 9. August 2009 benni 9 Kommentare

      In unserer Vorstellungsreihe “Linux ohne Grafik” stellen wir euch heute vor, wie man in der Shell eine Verbindung ins Internet aufbauen kann, kabellose Netzwerke verwaltet und eine Verbindung dazu herstellt.

      Während viele Distributionen mit GNOME als Desktopumgebung auf den gnome-network-manager zurückgreifen, gibt es ein anderes mächtiges Tool zur Netzwerkverwaltung, dass nicht nur distributionsübergreifend ist, sondern auch für KDE oder andere Desktopumgebungen geeignet ist: wicd.

      Was an Wicd jedoch viel interessanter ist, ist der shell-Modus, mit dem man sogar in der Shell eine Verbindung aufnehmen kann. Und genau das zeige ich euch nun.

      Installation

      Grundlegend ist zu sagen, dass Wicd automatisch gnome-network-manager ersetzt und diesen auch entfernt (zumindest unter Ubuntu). Dadurch wird verhindert, dass es mehrere Netzwerkmanager gleichzeitig gibt, was zu großen Daemonproblemen führen würde.

      Ubuntu

      Die Installation ist über den Befehl

      # apt-get install wicd

      schon hinreichend abgeschlossen.
      [update 09.08.09]
      In den Repositories ist jedoch eine „alte“ Version (1.5.9), wobei das Konsoleninterface erst in der Version 1.6 enthalten ist. Für Ubuntu Jaunty bedeutet das, dass man wicd über eine Fremdquelle installieren muss, welche man in die sources.list eintragen muss. Fügt dort folgenden Eintrag hinzu:

      deb http://apt.wicd.net jaunty extras

      Um den GPG-Key für diese Quelle hinzuzufügen, führt folgenden Befehl aus:

      wget -q http://apt.wicd.net/wicd.gpg -O- | sudo apt-key add -

      Nun führt den obigen Befehl aus. (via, danke maid3n für den Hinweis)
      [/update]

      Arch Linux

      pacman -S wicd

      Fedora 11

      Fedora hat wicd leider nicht in den Repositories, und auch die üblichen Fremdquellen wie rpmfusion helfen hier nicht weiter. Man muss auf Fremdpakete, die jedoch offiziell von der Entwicklerhomepage des Projekts verlinkt werden, zurückgreifen. Zusätzlich ist noch mindestens das Paket urwicd notwendig. Die Pakete findet man für verschiedene Architekturen auf diesem FTP-Server. Hier wird bei der Installation leider nicht der network-manager deinstalliert. Dies bitte nachträglich durchführen!

      Benutzung

      wicd in der Shell

      wicd in der Shell

      Um Wicd erfolgreich in der Shell einzusetzen, ruft man es über

      wicd-curses

      auf und erhält ein Interface, das ein bisschen an die grafische Oberfläche des Programms erinnert.


      Auf der “Startseite“ des Programms findet man eine Liste mit allen Netzwerken in der Umgebung, nach Signalstärke sortiert. Über die Pfeiltasten wählt man sein eigenes aus und konfiguriert es, indem man über den Pfeil nach rechts in den passenden Eintrag kommt. Dort kann man (wenn benötigt) den Key eingeben, statische IPs und DNS aktivieren etc.. Sollte in der angesprochenen Liste das eigene Netzwerk nicht aufgelistet werden, weil es versteckt wurde, so kann man es über I direkt ansprechen.

      Einstellungen von wicd

      Einstellungen von wicd

      Über P gelangt man in das Einstellungsmenü für wicd. Dort kann man das Verhalten in bestimmten Situationen einstellen, etwa was geschehen soll, sobald ein LAN-Kabel angesteckt oder die Verbindung abbrechen sollte.

      Mit Q kann man das Interface von wicd im Textmodus wieder verlassen. Das sollte man auch tun (wenn man ohne Grafik startete), da der Platz der Konsolen stark limitiert ist. Die Internetverbindung bleibt indes bestehen und erst dann beendet, wenn man das über D im Interface befielt.

      Damit ergibt sich folgende nützliche Befehlsübersicht:

      Taste Funktion
      Netz konfigurieren
      R Neu nach Netzen scannen
      C Mit einem Netz verbinden
      D Verbindung zum Netz abbrechen
      I (großes i)
      Mit versteckten Netzwerken verbinden
      P Einstellungen
      Esc Momentane Aktion abbrechen
      Q Interface beenden

      Damit ist der erste Schritt in Richtung Unabhängigkeit von der GUI geschafft. Das A und O eines Linuxusers ist geschaffen: Die Internetverbindung steht! Wie man Programme ungrafisch installiert, werden die meisten schon wissen. In den nächsten Artikeln werden wir beschreiben, wie man das Internet noch anders nutzen kann.

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      Kommentare:

      • Ich denke du hast was ganz grundlegendes Vergessen: Wie heißt denn noch mal das Paket, um einen Mauszeiger auch in der Konsole zu benutzen? Ich bin ja auch eher ein “Tastaturnutzer”, aber bei solchen Oberflächen macht es mit Mauszeiger dann doch mehr Spass. Bei “links” zum Beispiel ;-)

      • Schade, daß der bereits installierte gnome-network-manager ersetzt wird.
        Da mein System z. Zt. rund läuft, werde ich mich hüten, etwas zu verändern. So werde ich es leider nicht testen können …
        … aber superspannend!

      • Hi, wieso verwendest du wicd? Wie soll man wicd installieren, wenn man noch kein Netzwerk hat?

        Es wäre interessanter, wie man zb nach einer Minimalinstallation mit den dann vorhandenen Programmen einen Internetzugang einrichtet, wie man sich mit einem WLAN verbindet oder ähnliches

      • @mogli
        Das Paket heißt gpm.

        @burli
        wicd stellt die gleiche Funktionalität wie der gnome-network-manager bereit, allerdings auch für die Konsole. Ich verwende ihn sehr gerne, ist es doch sehr flexibel. Nur bei VPNs muss er passen, aber dafür gibt es ja openvpn und openvpngui als graphische Oberfläche.
        Falls man schon Internet hat, übernimmt wicd einfach die Aufgabe und es geht sauber weiter (eventuell muss man sich ab- und wieder anmelden). Hat man kein Internet – auch nicht mit gnome|kde-network-manager – dann musst du dir das Paket mit einem anderen PC herunterladen. Aber mal unter uns, wenn du mit den internen graphischen Mitten kein Netz bekommst, wird es mit wicd auch nicht klappen.

        killermoehre

      • @mogli: Für wicd-curses braucht man – wie ich finde – nicht unbedingt eine Maus, da die Navigation ganz gut über die Tastatur klappt. So komplex ist das Programm nicht aufgebaut. Und „Links“ haben wir ja noch gar nicht angesprochen ;-)

        @burli: Ich muss mich da killermoehre anschließen: die Networkmanager sind ja meistens schon vorinstalliert (bei einer normalen Installation), also hast du ja im grafischen Modus eine Internetverbindung (zumindest im Regelfall). Dann kannst du wicd installieren und nach einer Neuanmeldung wird wicd dann die Verbindungen managen. Solltest du aber komplett ohne Grafik arbeiten wollen (womit du ja kein WLAN verwalten kannst) solltest du deinen PC über LAN ans Internet anschließen und wicd installieren.
        Und wie killermoehre schon sagt wird wicd auch nicht unbedingt eine Verbindung zu einem Netzwerk aufbauen können, dass mit dem network-manager auch nicht ging. Das liegt dann wohl eher an Hardwareproblemen.

        Benni

      • Euren Blogg muss ich wirklich weiterempfehlen

      • Hey !

        Ziemlich geile Serie, ich freu mich schon drauf :)

        Allerdings solltet ihr vl. erwaehnen, dass man fuer wicd-curses eine Version >= 1.6 braucht, die aber nicht in den normalen Paketquellen enthalten ist.

        Und dass man wicd-client -n fuer einen reinen Fenstermanager benutzen muss, um die GUI zu starten.

        Gruss, maid3n

      • LinuxMint nutzt wicd als Standardzugang. Da das Teil leider openvpn nicht direkt unterstützt, musste ich noch mal Hand anlegen. Ansonsten klappt der WLAN Zugang einfach. Und das ist eigentlich alles, was ich von wicd erwarte. Naja, openvpn wäre sichtlich besser, aber ohne ist das Tool auch schon charmant.
        Gruß,
        tda


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